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Frechener Naturheilkunde Magazin

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OR-006Orientierung

Nahrungsergänzungsmittel: Nutzen und Risiken

Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel, keine Arzneimittel. Was das für Kontrolle, Nutzen und Überdosierungsrisiken bedeutet.

Wer regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte Dosierung
  und Wechselwirkungen kennen.
Wer regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte Dosierung und Wechselwirkungen kennen.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel rechtlich gesehen?

Nahrungsergänzungsmittel sind in Deutschland und der EU rechtlich Lebensmittel, keine Arzneimittel. Grundlage ist die Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel, kurz NemV. Sie enthalten konzentrierte Nähr- oder Wirkstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Pflanzenextrakte und sollen die normale Ernährung ergänzen, nicht ersetzen. Weil sie als Lebensmittel eingestuft sind, gilt für sie ein anderes Kontrollsystem als für Medikamente, die vor der Zulassung einzeln auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden. Das hat direkte Folgen für die Frage, wie gut ein einzelnes Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verkauf tatsächlich geprüft wird, und damit auch dafür, wie viel Eigenverantwortung bei der Auswahl und Dosierung liegt.

Werden Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verkauf behördlich geprüft?

Nein, nicht im Sinne einer Zulassung. Herstellerinnen und Hersteller oder Einführer müssen ein Nahrungsergänzungsmittel spätestens beim ersten Inverkehrbringen in Deutschland beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anzeigen und dabei ein Musteretikett vorlegen. Diese Anzeigepflicht ist ausdrücklich keine Genehmigung: Das Amt prüft das Produkt vor dem Verkaufsstart nicht inhaltlich, das Produkt darf gleichzeitig mit der Anzeige in den Handel gehen. Verantwortlich für Sicherheit und korrekte Kennzeichnung bleibt die herstellende oder vertreibende Firma selbst. Wer also ein Nahrungsergänzungsmittel im Laden oder online kauft, sollte wissen: Ein Angebot auf dem Markt ist kein Nachweis einer behördlichen Unbedenklichkeitsprüfung.

Welche Risiken birgt eine Überdosierung?

Konzentrierte Vitamine und Mineralstoffe können bei hoher Dosierung oder häufigerer Einnahme als empfohlen gesundheitsschädlich wirken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt insbesondere vor hohen Bolusdosen einzelner Vitamine und veröffentlicht dazu Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln, zuletzt aktualisiert im Jahr 2021. Diese Empfehlungen berücksichtigen die bereits über die normale Ernährung aufgenommene Menge, damit die zusätzliche Aufnahme über ein Präparat insgesamt sicher bleibt. Wer mehrere Präparate gleichzeitig einnimmt, etwa ein Multivitaminprodukt und zusätzlich einzelne Vitamine, kann diese empfohlenen Gesamtmengen leicht überschreiten, ohne es zu merken.

Wie erkenne ich, ob ich überhaupt einen Mehrbedarf habe?

Ein echter Mehrbedarf an bestimmten Nährstoffen lässt sich nicht an Werbeversprechen ablesen, sondern am besten über eine ärztliche Untersuchung mit gezielter Blutuntersuchung feststellen. Viele Menschen mit ausgewogener Ernährung haben keinen zusätzlichen Bedarf an den gängigen Vitaminpräparaten. Besondere Lebensphasen wie Schwangerschaft, bestimmte Erkrankungen oder ärztlich festgestellte Mängel können jedoch eine gezielte Ergänzung sinnvoll machen. Unser Beitrag zu Pflanzenheilkunde: Grundwissen für Laien erklärt, warum auch pflanzliche Präparate nicht automatisch risikofrei sind, nur weil sie natürlich wirken.

Können sich Nahrungsergänzungsmittel mit Medikamenten überschneiden?

Ja, das ist einer der am häufigsten unterschätzten Punkte. Bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenextrakte können die Aufnahme oder Wirkung von Arzneimitteln verändern. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte deshalb jedes neue Präparat vorher mit der behandelnden Praxis oder der Apotheke abklären, auch wenn es frei verkäuflich ist. Ausführlicher gehen wir darauf in unserem Beitrag Wechselwirkungen mit Medikamenten beachten ein.

Woran erkenne ich ein seriöses Angebot?

Seriöse Anbieter nennen die enthaltenen Stoffe und Mengen klar auf der Verpackung, versprechen keine Heilung konkreter Krankheiten und raten bei Unsicherheit zur Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apotheke. Diese klare Kennzeichnung ist kein freiwilliges Extra: Schon für die Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit muss ein Musteretikett mit den entsprechenden Angaben vorgelegt werden. Vorsicht ist angebracht bei Produkten, die als Wundermittel gegen mehrere unterschiedliche Beschwerden gleichzeitig beworben werden, oder die stark überhöhte Dosierungen im Vergleich zum üblichen Tagesbedarf enthalten, ohne dass die Packung dies nachvollziehbar erklärt. Weitere allgemeine Kriterien für ein seriöses Gesundheitsangebot haben wir in unserem Beitrag zu Qualitätsmerkmalen von Gesundheitsangeboten zusammengefasst.

Übernehmen Krankenkassen die Kosten?

Nahrungsergänzungsmittel werden von den gesetzlichen Krankenkassen in aller Regel nicht erstattet, da es sich rechtlich um Lebensmittel und nicht um Arzneimittel handelt. Ausnahmen bestehen nur in eng begrenzten, ärztlich verordneten Sonderfällen. Wer vor einer naturheilkundlichen Behandlung grundsätzlich klären möchte, welche Kosten selbst zu tragen sind, findet eine Übersicht in unserem Beitrag Kosten und Erstattung verstehen.

Was gilt bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen?

Bei Kindern, in der Schwangerschaft oder im höheren Alter reagiert der Körper oft empfindlicher auf eine zusätzliche Nährstoffzufuhr, während gleichzeitig der tatsächliche Bedarf je nach Lebensphase anders liegt als bei gesunden Erwachsenen. Pauschale Dosierungsempfehlungen auf der Verpackung eines Standardpräparats sind für diese Gruppen daher nur ein grober Anhaltspunkt, kein individueller Rat. Eine Rücksprache mit der behandelnden Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme vor der regelmäßigen Einnahme ist hier besonders wichtig, auch wenn das Präparat frei verkäuflich ist und keiner Verschreibung bedarf.

Was bedeutet das für die eigene Entscheidung?

Nahrungsergänzungsmittel können bei einem nachgewiesenen Mangel sinnvoll sein, sind aber kein automatisch risikofreies Extra zur normalen Ernährung. Weil sie als Lebensmittel nur angezeigt, nicht vorab geprüft werden, liegt die Verantwortung für eine sichere Dosierung stark bei der einnehmenden Person selbst. Eine kurze Rücksprache vor der regelmäßigen Einnahme, besonders bei bestehender Medikation, bleibt der sicherste Weg, Nutzen und Risiko für die eigene Situation realistisch einzuschätzen.

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  Notizen und ein Stift liegen zwischen ihnen.

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